Zwischen dem fränkischen Bamberg und der Region am Fuß des Mount Meru liegen mehr als 7.000 Kilometer und zwei halbe Kontinente. Trotzdem verbindet beide Orte seit vier Jahrzehnten eine Kirchenpartnerschaft, die 1986 begann und bis heute besteht.
Eine Begegnungsreise zum Vierzigsten
Ende August machte sich eine Delegation aus dem Evangelisch-Lutherischen Dekanat Bamberg auf den Weg nach Tansania, um das Jubiläum vor Ort zu begehen. Angeführt wurde die Gruppe von Dekanin Sabine Hirschmann, mit dabei waren Pfarrerin Dorothea Münch von der Erlöserkirche, die als Dekanatsmissionspfarrerin für die Partnerschaft zuständig ist, Missionsbeauftragte Katharina Beuter, Diakonin Anne Buckel von der Evangelischen Jugend, die Geschäftsführerin der Kirchengemeindeamts Sabrina Göckel sowie Vertreterinnen und Vertreter weiterer Gemeinden. Die Reiseleitung übernahm Jubleth Mungure. Die Pfarrerin stammt selbst aus Meru und arbeitet seit 2023 mit einer halben Stelle in der Erlösergemeinde.
Auf dem Programm standen Begegnungen zu Themen, die auch in Deutschland diskutiert werden: Kirche und Gesellschaft, Rassismus, Bildung. Was das Kennenlernen anderer Blickwinkel auf solche Begriffe bedeutet, beschreibt eine Person, die seit Jahren in der Partnerschaftsarbeit engagiert ist:
Durch die Partnerschaftsarbeit bekomme ich im Austausch neue Perspektiven auf Themen, die uns alle umtreiben. Ich erfahre, dass unser Glaube eine Basis ist, die uns alle grundlegend verbindet.
Eine andere Stimme aus dem Bamberger Dekanat erinnert sich vor allem an die persönliche Ebene:
Für mich waren es besonders die persönlichen Begegnungen mit verschiedenen Menschen aus Meru, die immer von ganz besonderer Herzlichkeit geprägt waren und die mich nachhaltig beeindruckt haben.
Bildung als gemeinsames Projekt
Die Diözese Meru ging 1992 aus der Evangelisch-Lutherischen Nord-Diözese Tansanias hervor. Sie umfasst heute 63 Gemeinden mit rund 85.000 Mitgliedern, Tendenz steigend. An ihrer Spitze steht Bischof Elias Kitoi Nasari, Sitz der Diözese ist die Stadt Usa River. In den vergangenen 40 Jahren kam es zu zwanzig gegenseitigen Besuchen zwischen Meru und Bamberg. Besonders eng blieb dabei stets die Verbindung zur Frauenarbeit. Zweimal arbeitete bereits eine junge Frau aus Meru als Freiwillige in einem Bamberger Kindergarten des Diakonischen Werkes, in diesem Jahr wird mit Upendo Urio eine weitere Freiwillige im Kindergarten Bischberg tätig.
Ein wichtiger Teil der Partnerschaft ist ein Bildungsprojekt. Was einst als vereinzelte Kurse zur Sekretärinnenausbildung begann, ist heute das Mshikamano Vocational Training Centre, an dem über 200 junge Menschen Berufe wie Buchhaltung, Schneiderei, Hotelmanagement oder landwirtschaftliche Anbaumethoden erlernen. Das Dekanat Bamberg finanzierte den Schulbau mit, unterstützte über Jahre die Schulspeisung und speist einen Ausbildungsfonds, in den jährlich zwischen 8.000 und 16.000 Euro fließen. Auch die Sekundarschule Ailanga Lutheran Junior Seminary wird von Bamberg aus seit ihrer Gründung begleitet.
Der Stellvertretende Bischof von Meru, Ndelekwa Pallangyo, schrieb 2024 in einem Gruß nach Bamberg:
Trotz der vielen Kilometer, die zwischen uns liegen, verbindet uns die Liebe Gottes weiterhin, und wir sind dankbar für diese Verbindung.
Gottesdienst und Fest am Partnerschaftssonntag
Von ihren Eindrücken während der Begegnungsreise werden Dekanin Hirschmann und die Bamberger Delegation im Rahmen eines gemeinsamen Festes berichten. Am sogenannten „Partnerschaftssonntag“, der heuer auf den 27. September fällt, feiern die Gemeinden des Dekanats gemeinsam in der Erlöserkirche. Um 10 Uhr findet ein Gottesdienst mit Pfarrerin Jubleth Mungure und Musik aus Tansania statt. Von 11 bis 12.30 Uhr folgt ein Partnerschaftsfest mit deutsch-tansanischem Fingerfood-Buffet, den Berichten der Delegation und einer Live-Schaltung nach Meru.
