Wer kennt das nicht? Wohnungen werden umgebaut! Aus dem Gäste- und Arbeitszimmer wird ein Kinderzimmer. Aus dem Kellerraum ein Fitness-Zentrum. Und ein paar Jahre später: Wieder alles anders. Manches muss auch erneuert und auf den Stand der Technik gebracht werden. So ist es: Bedürfnisse und Geschmack wandeln sich – und mit ihnen auch unsere Wohnungen.
Kirchen wurden immer schon umgebaut
Auch Kirchen wurden im Lauf der Geschichte umgebaut und ummöbliert, damit sie in veränderten Zeiten weiterhin ihrem ursprünglichen Zweck dienen konnten. Im hohen Mittelalter hatte man die Idee, dass die Predigt besser zu hören ist, wenn man eine Kanzel mit einem Schalldeckel einbaut. Und etwa zur gleichen Zeit gönnte man der Gemeinde eine Sitzgelegenheit (denn bis dahin stand man im Gottesdienst – die ganze Zeit). Jetzt kamen Bänke in die Kirchen. Man baute um, Bedürfnisse hatten sich geändert.
St. Matthäus in Gaustadt ist eine 1964 eingeweihte Kirche für die evangelische Gemeinde hier vor Ort. Und sie ist so ›eingerichtet‹ und ›möbliert‹, wie es üblich war: mit einer Ausrichtung ›nach vorne‹ zum Altar, mit Kanzel und Taufbecken, mit Orgel – und mit Bänken. Gemeinden waren es so gewohnt und fühlten sich wohl damit. Heizungen und Licht entsprachen den Standards der 1960er Jahre. Gemeinderaum und Küche boten Raum für Gruppen und Kreise.
Gut 60 Jahre später versammeln wir uns immer noch in dieser Kirche und tun es gern. Allerdings sind Heizung und Elektrik nicht nur in die Jahre, sondern auch an ihre Grenzen gekommen. Da muss etwas geschehen. Es müsste heller und wärmer werden, gerade in den Monaten, in denen nicht daran zu denken ist, auf der Kirchenwiese, unserer Gemeinde-Außen-Wohnung zu feiern.
Vor allem versteht sich unsere Gemeinde immer mehr als eine Gemeinschaft. Keine geschlossene Gesellschaft. Ein Miteinander. Aber ein Miteinander, das in Reihen sitzt? Eine Gemeinschaft, die nicht mal schnell vom Zuhören zum Gespräch in kleinen Gruppen umschalten kann? Die Immobilie müsste mobiler werden, leichtfüßiger, einfach flexibler. Im Kirchenvorstand wuchs die Überzeugung, dass wir die Wohnung der Gemeinde Stück für Stück umbauen sollten.
Kirchenvorstand auf Erkundungstour
Um zu sehen, wie das funktionieren könnte, sind im Oktober ein paar Mitglieder des Kirchenvorstandes nach Selb gefahren. Die Gemeinde dort hat ihre Wohnung, die ursprünglich unserer Kirche ähnlich war, renoviert und ihren aktuellen Bedürfnissen angepasst – eine Infrarotheizung schenkt Wärme, eine neue Beleuchtung schafft freundliches und gleichzeitig helles Licht, die Kirchenbänke wurden verabschiedet und durch eine flexiblere Bestuhlung ersetzt, Kirchenraum und Gemeinderaum sind durch große Türen miteinander verbunden - eine Idee, eine Kirchenwohnung umzugestalten.
Eine neue Vision für unsere Matthäuskirche
Doch was passt für uns in St. Matthäus? Was brauchen wir für unsere gottesdienstliche Gemeinschaft, für unsere Gruppen? Damit hat sich der Kirchenvorstand mit Menschen aus der Gemeinde, die sich dafür interessieren, einen Tag lang intensiv beschäftigt und konkrete Ideen entwickelt:
- Eine Infrarotheizung ist eine gute Idee, um unsere in die Jahre gekommene und sehr teure Bankheizung zu ersetzen.
- Eine Bestuhlung des Kirchenraumes würde uns viel mehr Freiheit bei der Gestaltung der Gottesdienste geben, Gemeindeversammlungen in der Kirche ermöglichen, uns von der kleinen Andacht bis zum großen Weihnachtsgottesdienst den Bedürfnissen angepasst den Raum gestalten lassen.
- Orientierung zur Mitte hin würde uns sehr einleuchten: Gemeinde versammelt sich als Gemeinschaft um Christus, ihre Mitte. Also: um einen Tisch in der Mitte, auf dem das Abendmahl vorbereitet wird, die Kerzen brennen, Blumen und Steine liegen und die Bibel aufgeschlagen ist. So könnte die Gemeinde ihrem eigenen Bild von sich entsprechen: Gemeinschaft, nicht Zuhörerschaft. Zugleich würde der Kirchraum damit auch für andere Veranstaltungen beweglicher nutzbar.
- Zum Gemeinderaum hin könnte die Kirche geöffnet werden. Anders gesagt: Gemeinderaum und Gottesdienstraum gehen ineinander über, zwei Räume, aber miteinander verbunden.
- Fenster bzw. eine Tür nach außen zum Garten könnten in der Kirche unsere Gottesdiensträume miteinander verbinden und im Gemeinderaum mit einer Terrasse für mehr Platz und Licht beim Kirchenkaffee und den Treffen unserer Gruppen sorgen.
So jedenfalls ist die Vision, die unser Kirchenvorstand bei seinem KV-Tag am 1. November miteinander gesponnen, entworfen, geträumt hat. Ob sie sich umsetzen und verwirklichen lässt, wollen wir nun miteinander und auch mit der Gemeinde prüfen.
Förderverein für Gemeindeauf- und -umbau
Das wird ein längerer Prozess, für den wir noch Gelder einsammeln und ansparen müssen. Eines haben wir nun konkret im Sinn: Wir planen nun, für die Fragen des Gemeindeauf- und -umbaus einen Verein zu gründen (wie es an etlichen anderen Orten in der Kirche schon passiert ist), also einen Förderverein, der Gelder sammelt und interessierten Menschen, denen St. Matthäus am Herzen liegt, die Chance gibt, sich punktgenau für die Veränderungen einzusetzen, die jetzt an der Zeit sind.
Unter dem Strich merken wir: Es geht jetzt um viele Veränderungen! Manche, weil der Zahn der Zeit auch vor unserer Technik nicht Halt gemacht hat. Andere, die aus der Überzeugung geboren sind, dass unser Haus die Wohnung der Gemeinde ist, ein Ort, an dem wir einander begegnen, gastfreundlich Menschen willkommen heißen und auf Begegnung mit Gott hoffen. Eben kein an sich heiliger Raum, sondern eine Wohnung, mit Patina und Würde, aber doch eine Wohnung. Und Wohnungen ändern sich. Das kennen wir ja. Auch die Wohnung der Gemeinde darf sich ändern. Packen wir es an!
